Ältestes Schulhaus Deutschlands?

Irgendwo wird das älteste Schulhaus Deutschlands schon liegen, aber es spricht viel dafür, dass es sich wohl eher nicht am Hundsmarkt 2 in Schierling befindet.

„Das alte Schulhaus befindet sich im Hundsmarkt an der Westseite des Kirchenberges … Wenn Pfarrer Reiffenstuhl 1645 … berichtet: ‚Im Ort Schierling ist ein von mir gebautes Schulhaus‘, so ist damit das jetzige alte Schulhaus am Hundsmarkt gemeint“, schreibt Josef Mundigl 1953 in seiner Festschrift „Tausend Jahre Schierling“.

Alt ist unser altes Schulhaus also schon, aber im Online-Lexikon Wikipedia finden sich zuhauf Schulhäuser, die wesentlich älter sind. Ein Beispiel ist die 1599 erbaute Grundschule im sächsischen Gundorf (siehe: Wikipedia - Liste der ältesten Schulhäuser >>).

Im Jahr 1998 erwarb die Gemeinde Schierling das Haus am Hundsmarkt 2. Nach dem Kauf war plötzlich vom ältesten Schulhaus Deutschland die Rede und das Gebäude wurde in die Denkmal-Liste aufgenommen. Als Antragsteller vermuten wir die Gemeinde Schierling. Fest steht, dass erst damit für den Markt Schierling die Verpflichtung erwuchs, das Gebäude zu renovieren und zu erhalten.

Die Kosten für die Renovierung des alten Schulhauses und seiner Außenanlagen betragen mittlerweile mehr als 1.3 Millionen € an Steuergeldern:

Im Einzelnen sind das:

ca. 80.000,00 €   tatsächliche Kosten: Kauf der Gebäude Hundsmarkt 2 und Hundsmarkt 4

    827.000,00 €   tatsächliche Sanierungskosten ( Detaillierte Kostenübersicht vom Januar 2010 >> )

Außenanlagen:

   103.000,00 €   tatsächliche Kosten Außentreppe ( Gemeinderatsbeschluss vom 2.8.2015 (Punkt 1) >> )

   165.000,00 €   Kostenschätzung Nebengebäude (48m2 Lagerfläche)

     30.000,00 €   Kostenschätzung Vorplatz altes Schulhaus

   100.000,00 €   Kostenschätzung Straßensanierung Hundsmarkt

Im Ergebnisbericht der „Zukunftskonferenz“, einer Ideenwerkstatt, die am 16. Januar 2010 stattfand und an der 65 Schierlinger Bürgerinnen und Bürger teilnahmen, findet das alte Schulhaus kurz als „ältestes Schulhaus Deutschlands“ Erwähnung, die Konferenz schließt jedoch ohne konkrete Ergebnisse. Die soll erst ein Folgetermin im März 2010 näher bestimmen. Trotzdem beschließt der Marktgemeinderat nur wenige Tage später, am 28.1.2010 mit 15:4 Stimmen die Sanierung des alten Schulhauses (Siehe: Entwicklungskonzept, Berichte 2010, 28.1.2010: Ältestes Schulhaus Deutschlands wird saniert  ). Die Bürgerbeteiligung wird zur Alibi-Veranstaltung, wenn die Mehrheit im Gemeinderat so unverfroren Fakten schafft.

Im März 2010 folgte der Zukunftskonferenz die Planungswerkstatt. Dort stellte die Arbeitsgruppe E als Ergebnis ihrer Gruppenarbeit das alte Schulhaus als Teil einer sogenannten „Jesuitenmeile“ vor, die u.a. auch das Schloss, die Brauerei und die Dorfmühle umfasst. Die "Jesuitenmeile" ist eine Erfindung des ehemaligen Bürgermeisters Otto Gascher und Fritz Wallner (Siehe MZ vom 25.10.2010: Konzept „Jesuitenmeile“ sichert Fördergelder ). Die Arbeitsgruppe E der „Bürgerbeteiligung“ bestand aus Fritz Wallner, Manuel Kammermeier, Adolf Wallner und Christian Kiendl, der kompletten Leitung der Gemeinde und keinem einzigen "Bürger" (Siehe: Ergebnisprotokoll der Planungswerkstatt >>  ). Bürgerbeteiligung sieht anders aus.

Am Samstag, den 9. Mai 2015, dem „Tag der Städtebauförderung“ taucht die Jesuitenmeile wieder als eines der Schierlinger Leit-Projekte auf, angeblich durch die Bürgerbeteiligung in 2010 legitimiert, in Wirklichkeit das Konzept der Gemeindeleitung. (Siehe auch: Gesamtörtliches Entwicklungskonzept Schierling >> ).

Stehen jetzt, nachdem das alte Schulhaus als erstes Objekt der Jesuitenmeile mit 1,3 Millionen € saniert wurde, die Sanierung der anderen Objekte an? Will die Gemeinde alle diese Gebäude, die sich in Privatbesitz befinden, kaufen und sanieren?

Die Sanierung alter Gebäude kann ein wichtiger und richtiger Schritt sein, er ist aber auf jeden Fall genau abzuwägen und mit uns Bürgerinnen und Bürgern abzustimmen. Was gar nicht geht, ist die Degradierung engagierter Bürger zum Deckmäntelchen einer angeblich demokratischen Meinungsfindung und Bürgerbeteiligung, die nur auf dem Papier existiert. Organisiert die Gemeindeverwaltung die Bürgerbeteiligung nur aus formalen Gründen, weil sonst die Förderbedingungen ihrer Städtebau-Projekte nicht eingehalten werden?     

Bei der weiteren Entwicklung in Sachen Jesuitenmeile sollten wir genau hinschauen!

Skizze der Aussenanlagen des Alten Schulhauses:

Vorplatz Altes Schulhaus