Das alte Schulhaus und sein Lagerhaus

Uschi Grandel, 18.2.2015

 

Von der wundersamen Kostenvermehrung für den Bau eines Nebengebäudes (siehe Bild, Beschreibung s.u.). Stefan Aigner von regensburg-digital.de veröffentlicht Kostenentwicklung auf Basis von Dokumenten der Gemeinde Schierling.

Änderungen zum Artikel (Zusammenfassung vom 18.3.2015): Wie Stefan Aigner auf regensburg-digital vermerkt, führte sein Artikel zu "vielfache(r) Nachfrage (siehe auch Kommentare), aber auch Kritik". In einem Update ergänzte er deshalb die Kostenentwicklung anhand von Dokumenten der Gemeinde Schierling. Hans-Peter Stöckl, Beisitzer im Vorstand der Schierlinger Gennßhenkher, hat den Artikel mit insgesamt vier Kommentaren bedacht. Für den Artikel und meine Kommentierung ergeben sich aus dieser Auseinandersetzung zwei Änderungen:

(1)  Kommentar zum Kommentar: in einem "PS" habe ich den aus meiner Sicht bodenlosen zweiten Kommentar des Herrn Stöckl kommentiert. Der zeitliche Bezug zum Update geht aus dem Artikel nicht hervor. Herrn Stöckl erklärte, seinen Kommentar zeitlich vor dem Update gepostet zu haben. Ich glaube das gerne, halte es aber für irrelevant für die Einschätzung seines Kommentars. Trotzdem habe ich nun bei Update ein von mir geschätztes Datum und beim Kommentar das Datum vermerkt und ein entsprechendes PPS eingefügt.

(2) Die zweite Änderung hat Stefan Aigner an seinem Artikel vorgenommen: wir ziehen sie hier der Vollständigkeit halber nach: Er streicht sein Argument, das Nebengebäude sei mit 48 qm größer als das Alte Schulhaus mit 47 qm. Das ist ganz formal so nicht korrekt, da im Alten Schulhaus zusätzlich zum  Veranstaltungssaal im Erdgeschoss ein erster Stock mit zusätzlichen Räumlichkeiten existiert. Allerdings stimmt das Argument für viele der Veranstaltungen, weil diese tatsächlich nur im Erdgeschoß stattfinden.    

Nebengebäude des Alten Schulhauses Geplant als Nebengebäude mit zwei Räumen, einem Lagerraum und einem Ausschankraum für eine Nutzung im Sommer. Manche munkeln, der Vorstand der Schierlinger Gennßhenker betrachte das Nebengebäude, für dessen Errichtung der Markt Schierling stolze 165.000€ ausgeben will, bereits als inoffizielles Vereinsheim.

Warum wird das Nebengebäude jetzt nicht kleiner geplant, wo doch der Ausschank wegfällt?

Dummerweise konnte sich Bürgermeister Kiendl mit dem Nachbarn nicht ohne Gerichtsverfahren über die Baumaßnahme einigen. Denn jetzt ist im Protokoll des Regensburger Verwaltungsgericht die Aussage des Bürgermeisters festgehalten. In der Verhandlung hatte Kiendl betont, das Nebengebäude sei AUSSCHLIESSLICH als Lager für Stühle und anderes Inventar gedacht, das vor allem für Hochzeitsgesellschaften benötigt werde. Nachdem ein Ausschank nun ausgeschlossen ist, könnte man das Nebengebäude neu, kleiner und kostengünstiger planen.

regensburg-digitel.de veröffentlicht detaillierten Kostenplan

Stefan Aigner von regensburg-digital berichtete nach der Verhandlung über den "Edelanbau für das 'älteste Schulhaus Deutschlands'" und monierte in seinem Artikel vom 5.2.2015, dass "im Markt Schierling dafür 165.000€ ausgegeben" werden. Kritik? Geht gar nicht bei uns! Der Schierlinger Hans Peter Stöckl, im Vorstand der Gennßhenkher, beschwert sich denn auch gleich in einem Kommentar zum Artikel über "Zahlenmodelle", die "so eine Sache" seien (Artikel und Kommentare auf regensburg-digital.de weiterlesen >> )

Dankenswerterweise hat Stefan Aigner inzwischen in einem Update nicht nur die Kostenrechnung, sondern auch die wundersame Vermehrung dieser Kosten anhand von Zahlen veröffentlicht, die alle Gemeindedokumenten entnommen sind. Wir dokumentieren:

Edelanbau für das „älteste Schulhaus Deutschlands“   

UPDATE: Jetzt mit Kostenaufstellung

regensburg-digital.de, Stefan Aigner, 27.2.2105 (zum Artikel:  weiterlesen >> )

Auf vielfache Nachfrage (siehe auch Kommentare), aber auch Kritik, stellen wir hier die Kosten und deren Entwicklung im Detail dar:

In der Gemeinderatssitzung am 26. Februar 2013 wurden unter dem Tagesordnungspunkt „Vorplatzgestaltung des ‘alten Schulhauses’ einschließlich des angrenzenden Gebäudes ‘Hundsmarkt 4′ folgendes beschlossen:

  1. Die Kosten für das Nebengebäude betragen laut Schätzung des Architekten Michael Nadler 90.000 Euro

  2. Dazu kommen Abbruchkosten von 12.600 Euro, die von der Gemeindeverwaltung als „zu hoch eingeschätzt“ bezeichnet werden.

  3. Das Nutzungskonzept für das Nebengebäude sieht einen Lagerraum und einen Ausschankraum vor, der im Sommer genutzt werden könnte.

Am 27. August 2013 legt der Architekt Nadler der Gemeindeverwaltung eine genaue Kostenaufstellung vor, in der Folgendes steht:

  1. Die Nutzfläche für die beiden Räume beträgt knapp 48 Quadratmeter

  2. Die reinen Baukosten (ohne Abbrucharbeiten) werden mit 99.824 Euro beziffert, im Vergleich zur Schätzung also eine Kostensteigerung um gut zehn Prozent.

Am 26. September gibt es erneut eine Kostenaufstellung des Architekten Nadler.

Laut dieser neuen Aufstellung betragen die Baukosten inklusive Abbruchkosten für das alte Gebäude 127.273 Euro.

Am 30. September 2013 reicht die Marktgemeinde Schierling einen Förderantrag bei der Regierung der Oberpfalz ein.

Die Gesamtkosten belaufen sich nun laut einer Aufstellung Gemeindegeschäftsführer Fritz Wallner auf 165.750 Euro. Hier wurden erstmals auch 30.000 Euro für „zusätzliche Außenanlagen“ miteinberechnet.

Am 28.10.2013 erhält die Gemeinde einen Bewilligungsbescheid der Regierung der Oberpfalz mit folgendem Ergebnis:

„Von den Gesamtkosten der Maßnahme in Höhe von 165.750 Euro sind 132.000 förderfähig.“ Auf dieser Basis erhält die Gemeinde einen Zuschuss von 79.200 Euro.

Zusammenfassung:

  1. Nimmt man die erste Kostenschätzung, die dem Gemeinderat vorgelegt wurde (90.000 Euro) haben sich bis zum Bewilligungsbescheid der Regierung allein die reinen Kosten für das Nebengebäude um etwa 25.000 Euro erhöht.

  2. Die Abbruchkosten von 12.000 Euro, die in der ersten Gemeinderatssitzung von der Verwaltung noch als „zu hoch geschätzt“ bezeichnet wurden, haben sich sogar noch leicht erhöht.

  3. Zusätzlich muss die Marktgemeinde noch rund 30.000 Euro für die dazugehörigen Freiflächen (45 Quadratmeter, zum Teil überdacht) ausgeben.

Für ein Gebäude mit 48 Quadratmeter Nutzfläche und 45 Quadratmeter gepflasterter und gestalteter Außenfläche werden also insgesamt – eventuelle Kostensteigerungen noch nicht mitgerechnet – 165.750 Euro Steuergelder ausgegeben. Bemerkenswert ist auch, dass die Notwendigkeit diese Gebäudes damit begründet wird, dass man Lagerflächen brauche, um im Schulhaus Veranstaltungen durchzuführen – das bedeutet: 48 Quadratmeter „Lagerraum“ für einen Veranstaltungsraum im Schulhaus von knapp 47 Quadratmetern. Edel, edel.

PS: noch vor dem Update gab es einen zweiten Kommentar von Hans Peter Stöckl. Er schreibt am 25.2.2015:   "Sehr geehrter Herr Aigner, vielen Dank für die Antwort und Ihre Bemühungen etwas Licht ins Dunkel zu bringen. “Das Ding ist teuer” – richtig – alle öffentlichen Einrichtungen (Theater, Hallenbad u.s.w.) sind nicht billig."

Dazu fällt mir nichts mehr ein!

PPS: das "PS" habe ich nach einer Beschwerde von Herrn Stöckl korrigiert: seinen Kommentar hat er zeitlich vor dem Update gepostet. Ich hatte ihn anfangs fälschlicherweise als Reaktion auf das Update verstanden. Ich habe nun bei Update und Kommentar jeweils das Datum vermerkt.


Bild: Der Plan, den die Gemeinde Schierling mit dem Förderantrag bei der Regierung eingereicht hat. Für zwei Räume mit rund 48 Quadratmetern und gepflasterte, zum Teil überdachte Freifläche von rund 45 Quadratmeter veranschlagt die Gemeinde knapp 166.000 Euro.

Nebengebäude des Alten Schulhauses