"Wir können Klimaschutz"

Welch hehre Aussage, die der Markt Schierling in seiner Anzeigenkampagne trifft! Doch wie ist es um die diesbezügliche Kompetenz wirklich bestellt?

Dank der Hackschnitzelheizung im Bauhof spielt man sich als Retter des Klimas auf, dabei ist der Bauhof nur eines von vielen öffentlichen Gebäuden, und diese vielen anderen konventionell beheizten Gebäude finden praktischerweise keine Erwähnung, denn man hat ja die Alibi-Hackschnitzelheizung! Nebenbei sei darauf hingewiesen, dass eine solche Heizung keineswegs kostenneutral und auch nicht CO2-neutral ist, da das verwendete Schnittgut auch erst einmal maschinell geschnitten und zerkleinert werden muss und für das Transportieren fossile Energie benötigt wird. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs müssen bezahlt werden.

(Nachzulesen: Wir können Klimaschutz)

Sinnvoller wäre es, sich nicht länger selbst zu beweihräuchern, sondern sich mehr um die Nutzung vorhandener Energiequellen zu bemühen. Beispielsweise wollte die Gemeinde  im September 2011 die Abwärme der Biogasanlage Aumeier nicht für ihre gemeindeeigenen Gebäude wie das Haus am Storchenweg 2 haben. Dort baute man statt dessen für 35.000 Euro einen Dachsmotor (ein mit Gas betriebener Motor, der Strom und Wärme erzeugt) ein, welcher für ein solch verhältnismäßig kleines Gebäude überproportional teuer und unrentabel ist.

Ebenso hätte man die Abwärme für das älteste Schulhaus, das wegen feuchter Wände ganzjährig durchgeheizt werden muss, für den Kindergarten, die Kirche und das Pfarrheim nutzen können. Auch einige Anwohner hätten sich bestimmt über die Möglichkeit gefreut, ihr Haus kostengünstig mit Abwärme zu beheizen.

Auf Nachfrage, warum dies alles nicht gemacht wird, argumentiert man seitens der Gemeinde, Aumeier würde mit seiner Abwärme ja schon Hackschnitzel trocknen. Diese Logik erschließt sich nicht wirklich. Aumeier wäre vermutlich deutschlandweit der einzige Betrieb, der mit seiner kostbaren Abwärme lediglich Hackschnitzel trocknet, wenn er statt dessen öffentliche Gebäude beliefern und damit wesentlich mehr Gewinn erwirtschaften könnte. Man hat ihm nur die Möglichkeit dazu nicht gegeben.

Nachdem man schon mit zwei Bussen nach Feichten gefahren war und die hinsichtlich der Abwärmenutzung vorbildliche Anlage besichtigt hatte, wäre es doch sinnvoll gewesen, sich diese auch zum Vorbild zu nehmen.

(Nachzulesen: Anlage Feichten)

Wenn Gemeinderat und Bürgermeister die große Chance, wirklich etwas für das Klima zu tun, nicht ergreifen, dann fragt man sich, wieso 80.000 Euro für ein Klimagutachten und jährlich 25.000 Euro für einen Klimaschutzmanager ausgegeben werden. Selbst die Fraktionssprecherin der Freien Wählern, Elfriede Treppesch, erkannte die Sinnlosigkeit dieser Maßnahmen und argumentierte, außer an sich unnötigen Events, Workshops und schönen Zeitungsartikeln sei von einem Klimamanager nichts zu erwarten.

(Nachzulesen: Klimaschutzmanager soll Energiesparen helfen, LZ vom 13.6.2013)

Fazit: Durch Klimaschutzgutachten, Klimamanager, Steuerungsgruppe und Bürgerbeteiligung schafft man Strukturen, die ein Mitspracherecht des Bürgers nur vortäuschen. Die wirklich relevanten Entscheidungen werden im Hintergrund getroffen.


http://www.schierling.de/htmls/aktuelles/klimaschutz/seiten/2013-06-12_verabschiedung-konzept.htm