Differenzierte Betrachtungsweise von Biogasanlagen

Eine kleine Biogasanlage mit Kraft-Wärme-Kopplung wie in Feichten im Landkreis Altötting erzeugt nicht nur Strom, sondern ihre Abwärme wird zudem zum Heizen in öffentlichen Gebäuden, in der Kirche und in Wohnsiedlungen genutzt. Bürger begrüßen derartige Anlagen, weil sie dadurch günstige Heizkosten haben.

In Schierling setzen sich die Projektpartner IG Bioenergie (ca. 100 Landwirte), die Marktgemeinde Schierling und Abel Retec für eine industrielle Großbiogasanlage mit Erdgaseinspeisung ein. Hierfür wird das Methangas auf 98 % Erdgasqualität aufbereitet. Um eine solche Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, werden Investitionen in Höhe von 10 bis 15 Millionen eingeplant. Der Lieferverkehr der Rohstoffe erstreckt sich wie in Kallmünz im Umkreis von 50 Km. Pluspunkte für den Bürger bleiben aus.

Neutralität des Bürgermeisters und 20 Bürgervertretern in Schierling?

Im März 2009 haben die Verantwortlichen der Marktgemeinde Schierling die Bürger zu einer Informationsfahrt nach Feichten eingeladen. Hier sollten offene Fragen unter anderem zur Technologie geklärt werden. Der Anlage in Feichten liegt jedoch eine ganz andere Technik zu Grunde als der für Schierling geplanten, industriellen Biogasanlage mit Erdgaseinspeisung. Dementsprechend nützen Antworten zur Biogasanlage in Feichten dem Bürger von Schierling nichts. War diese Veranstaltung Information oder Täuschung, zumal der Bürger von Feichten einen unmittelbaren Vorteil von der Anlage hat, während der Schierlinger Bürger nichts dergleichen erwarten kann?

Brief des Bürgermeister an Labertaler

Anfang April 2009, also nach der Informationsfahrt nach Feichten, trafen sich sechs Mitglieder des Bürgerforums mit Sebastian Brückl, Redakteur der Allgemeinen Laber-Zeitung. In einem zweistündigen Gespräch erklärten sie ihm die Unterschiede zwischen der Biogasanlage in Feichten und der für Schierling geplanten, industriellen Biogasanlage und belegten die Fakten mit Unterlagen. Für das Bürgerforum war es sehr bedauerlich, dass auch nach mehreren Aufforderungen kein Bericht in der Allgemeinen Laber-Zeitung folgte.

Pressefreiheit sieht anders aus!

In vielen Gemeinden wie Grafentraubach, Langquaid, Mintraching, Pentling, Wörth, Sünching, Zeitlarn, Neutraubling, Regenstauf und Hemau wurde ein Antrag für eine industrielle Großbiogasanlage nach Widerstand der Bürger oder nach eigenem Ermessen der Gemeindeverantwortlichen schnell abgelehnt. In den 41 Landkreisgemeinden wurde lediglich eine industrielle Biogasanlage in Kallmünz gebaut.

In Schierling wurden insgesamt vier Anträge für industrielle Großbiogasanlagen mit Erdgaseinspeisung gestellt, die erst auf Druck der Bürger abgelehnt wurden.

„ ‚Ein solches Thema darf nicht so diskutiert werden, dass wenn auch nur ein Hauch einer eigenen Betroffenheit besteht, dann so etwas sehr kritisch gesehen oder sogar abgelehnt wird‘, sagt Kiendl. Der Marktgemeinderat müsse nach anderen Maßstäben beraten und entscheiden – und zwar nach objektiven und für jeden Bürger nachvollziehbaren.“ („Objektiv zu einer guten Entscheidung“, Allgemeine Laber-Zeitung, 14.03.2009)

Objektivität – nur eine Worthülse?

Welche Maßstäbe sind dem Gemeinderat wirklich wichtig, wenn 7 000 Bürger von einer industriellen Biogasanlage mit Erdgaseinspeisung keinerlei Vorteile haben? Warum sollen der unmittelbaren Bevölkerung viele Nachteile (zusätzlicher landwirtschaftlicher Schwerlastverkehr durch Ortschaften um Schierling, Geruchsbelästigung, Lärm, etc.) zugemutet werden?